SCHRIFTLICHE ANFRAGE von Cristiana Muscardini (PPE)
an die Kommission
Betrifft: Jugendamt
Am 8. Mai 2009 wurden die zehn bzw. sechs Jahre alten Brüder
Leonardo und Nicolò auf Anordnung des Jugendamts ohne Wissen ihrer
Mutter aus ihrer Mailänder Schule geholt und unverzüglich zu ihrem
Vater nach Deutschland gebracht. Dies ist ein bedauerlicher Vorfall,
der sich in die Vielzahl anderer Vorfälle einreiht, die in einem von
Marcin Libicki verfassten Bericht des Petitionsausschusses des
Europäischen Parlaments bereits beklagt wurden. In diesem Bericht wird
eingeräumt, dass das Wirken des Jugendamts vielen betroffenen
Unionsbürgern tatsächlich Sorgen bereitet. Diese sind nämlich der
Auffassung, dass bei den regelmäßig angewandten Verfahren des
Jugendamts stets das Problem der Diskriminierung besteht und somit
kontinuierlich gegen die Europäische Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und die Grundsätze der EU verstoßen wird, in denen die
Achtung der Grundrechte und der Rechte des Kindes proklamiert wird.
Die Kommission wird daher um folgende Auskünfte ersucht:
1.
Ist sie nicht der Ansicht, dass diese Situation einige Unionsbürger in
ihrem Denken beeinflusst hat, weil bestimmte Praktiken von
Jugendamtsmitarbeitern eine Diskriminierung aus Gründen der
Staatsangehörigkeit darstellen?
2.
Hält sie es — auch wenn das Familienrecht in die Zuständigkeit der
Mitgliedstaaten fällt — nicht für ebenso notwendig, etwas zu
unternehmen, um einen Ausgleich für die negativsten Aspekte der
rechtlichen Bestimmungen über die Ausübung der elterlichen
Verantwortung in Deutschland zu schaffen?
3.
Teilt sie in Bezug auf die rechtlichen Grundlagen Europas und
insbesondere die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und die Grundsätze der EU betreffend die Grundrechte nicht die Ansicht,
dass die Prinzipien und Verfahren des Jugendamts den Geboten der EU
zuwiderlaufen?