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Yahoo News Germany; by AFP; Freitag 8. dezember 2006,
14:50 Uhr
Der Präsident des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte hat Deutschland ermahnt

AFP - Luzius Wildhaber
Der Präsident des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EMRG), Luzius Wildhaber, hat Deutschland zur
Umsetzung der Straßburger Urteile ermahnt.
Straßburg - Deutschland solle sich "näher mit
dem System der Menschenrechtskonvention befassen", sagte
Wildhaber. Es gebe da offensichtlich "einige Wissenslücken",
auch bei deutschen Richtern, betonte der 69 Jahre alte Schweizer,
der den Straßburger Gerichtshof im Januar aus Altersgründen
verlassen wird.
Wildhaber verwies auf Artikel 46 der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Darin sei unmissverständlich festgelegt, dass die Unterzeichnerstaaten
die endgültigen Urteile des Gerichtshofs "befolgen"
müssen. Er sei daher "einigermaßen überrascht"
darüber, dass das Straßburger Urteil im Verfahren
um das Sorgerecht des türkischen Vaters Kazim Görgülü
bis heute nicht umgesetzt sei.
Der Türke hatte in Straßburg gegen Deutschland geklagt,
weil ihm die deutsche Justiz das Sorgerecht für seinen
Sohn verweigert, den die ledige Mutter gegen seinen Willen zur
Adoption freigegeben hatte. Der Menschenrechtsgerichtshof
verurteilte Deutschland im Februar 2004 wegen Verstoßes
gegen das Grundrecht auf Schutz der Familie. Dennoch lebt der
heute sieben Jahre alte Junge weiter bei einer Pflegefamilie,
die Entscheidung über die Sorgerechtsklage wurde vom zuständigen
Oberlandesgericht (OLG) in Naumburg erst kürzlich wieder
verschoben.
Kurz vor dem internationalen Tag der Menschenrechte am Sonntag
appellierte Wildhaber an die 46 Europaratsländer, den mit
derzeit 90.000 anhängigen Fällen völlig überlasteten
Richtern zur Hilfe zu kommen. Sie müssten dem Menschenrechtsgerichtshof
entweder mehr Mittel zur Verfügung stellen oder dafür
sorgen, dass in Straßburg weniger Beschwerden ankommen.
Dazu müssten die Staaten selbst wirksamer gegen Menschenrechtsverletzungen
ankämpfen und vom Gerichtshof einmal gerügte Missstände
dauerhaft beseitigen. "Das wäre der beste Weg."
(tso/AFP)
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